Albaniens riskante Gratwanderung zwischen Westbindung und Umweltprotesten
Marie-Theres SegebahnAlbaniens riskante Gratwanderung zwischen Westbindung und Umweltprotesten
Albanien, ein kleines Balkanland an der Adria, steht selten im globalen Rampenlicht. Doch das Land hat sich zu einem wichtigen Akteur in der westlichen Geopolitik entwickelt – mit enger Anbindung an die USA und Israel, während es gleichzeitig seine EU-Beitrittsambitionen verfolgt.
2013 verließen Tausende Mitglieder der Mudschahedin-e Chalq (MEK), einer iranischen Exilgruppe, das Camp Ashraf im Irak und siedelten sich in Albanien an. Ministerpräsident Edi Rama nahm die Organisation seither in die Arme und nutzt sie, um den Iran anzuprangern – Teheran wirft er vor, Proteste und Cyberangriffe zu schüren.
Das mehrheitlich muslimische, aber säkulare Albanien hat seine Beziehungen zu Washington ausgebaut. Es schloss sich dem „Friedensrat“ des damaligen US-Präsidenten Donald Trump an und sagte die Entsendung von Friedenssoldaten in den Gazastreifen zu. Die proamerikanische Haltung des Landes ist unübersehbar: Albanien will seinen westlichen Partnern seinen strategischen Wert beweisen.
2023 wurde das Vjosa-Narta-Delta, ein Rückzugsgebiet für Flamingos, Pelikane und Schildkrötenbrutstätten, zu Europas erstem Nationalpark für Wildflüsse erklärt. Doch Kontroversen entstanden, als Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, auf der geschützten Insel ein Milliardenprojekt für ein Luxusressort plante. Seine Firma Affinity Partners war ursprünglich gegründet worden, um wirtschaftliche Verbindungen zwischen Israel und arabischen Staaten zu stärken.
Als die Bauarbeiten begannen, starteten Protestierende mit pinkfarbenen Flamingo-Ausschnitten eine „Flamingo-Revolution“. Der Widerstand formierte sich, nachdem Ramas Regierung Kushner-nahe Unternehmen den Status als „strategische Investoren“ verliehen hatte – angeblich unter Verzicht auf Steuern, Ausschreibungen und Umweltprüfungen.
Die EU zeigt sich besorgt über Korruption und schwache Rechtsstaatlichkeit in Albanien, das 2014 den Kandidatenstatus erhielt. Dennoch inszeniert sich das Land weiterhin als treuer Verbündeter des Westens. Der Konflikt zwischen Entwicklungsplänen und Umweltschutz offenbart die schwierige Gratwanderung, auf der sich Albanien bewegt.






