13 June 2026, 16:23

Angélica Liddells provokantes Seppuku: Mishimas Tod als Bühnenritual in Wien

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokantes Seppuku: Mishimas Tod als Bühnenritual in Wien

Angélica Liddells neues Werk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte am Donnerstag, dem 29. Februar 2024, im Wiener Volkstheater Premiere. Die Produktion ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren auseinandersetzen. Liddell ließ sich von einem Suizid inspirieren, den sie am 7. Januar 2024 in Madrid miterlebte.

Die zweistündige Aufführung widmet sich dem Erbe des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, einer zentralen Figur in Liddells künstlerischem Schaffen. Mishima inszenierte 1966 in einem Kurzfilm seinen eigenen rituellen Freitod, bevor er sich 1970 durch Seppuku – die traditionelle japanische Selbsttötung – das Leben nahm. Liddells Stück integriert ein stilisiertes Nō-Theater-Stück, das seinen Tod nachstellt.

Auf der Bühne trägt sie Kleidungsstücke Verstorbener, um deren Geschichten heraufzubeschwören. Momente der Ekstase, schwarzer Humor und Szenen der Selbstbefriedigung mit rohem Fleisch durchziehen die Vorstellung. In einer besonders eindringlichen Szene vermischen Liddell und eine weitere Darstellerin ihr Blut als Teil der Performance. Der Höhepunkt gipfelt in ihrer leidenschaftlichen Verteidigung des Suizids als persönliche Entscheidung.

Das Werk verbindet Ritual, Provokation und Reflexion zu einer konfrontativen Auseinandersetzung mit dem Publikum. Es steht als mutige Erkundung der Sterblichkeit im Rahmen des Festivals, das sich insgesamt der Frage nach der Existenz widmet. Liddells Arbeit hinterlässt bei den Zuschauer:innen einen bleibenden Eindruck.

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