Apothekensterben in Deutschland: Immer längere Wege für lebenswichtige Medikamente
Annerose KensyApothekensterben in Deutschland: Immer längere Wege für lebenswichtige Medikamente
Apotheken in ganz Deutschland schließen in alarmierendem Tempo – Gemeinden verlieren Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten
Immer mehr Apotheken in Deutschland müssen schließen – mit gravierenden Folgen für die Versorgung der Bevölkerung mit essenziellen Arzneimitteln. Allein im Jahr 2025 sank die Zahl der betrieblichen Apotheken bundesweit um 2,8 Prozent auf 16.601 bis Jahresende. Besonders betroffen sind einige Regionen, wo Patienten nun weitere Wege für Rezepte und Notfalldienste in Kauf nehmen müssen.
In der Region Nordrhein war der Rückgang besonders ausgeprägt: Hier gingen netto 43 Apotheken verloren – ein Minus von 2,2 Prozent bis Ende 2025. Im Stadtgebiet Aachen schlossen fünf Apotheken ohne Ersatz, im Kreis Viersen vier. Düsseldorf und Duisburg verloren jeweils sechs Standorte, während in beiden Städten nur eine neue Apotheke eröffnet wurde. Eine Ausnahme bildete der Kreis Heinsberg, der eine Neueröffnung verzeichnete und keine Schließungen melden musste.
Die anhaltenden Schließungen setzen die verbleibenden Apothekeninhaber unter zunehmenden Druck: Bei steigender Nachfrage bleiben die Vergütungen seit Jahrzehnten auf demselben Niveau – trotz wachsender Betriebskosten. Die Apothekerkammer Nordrhein warnt seit Langem, dass ohne eine klare Anpassung der Apothekengebühren die lokale Arzneimittelversorgung langfristig nicht mehr tragbar sein werde. Im Mai 2025 hatte die Union-SPD-Koalitionsregierung zwar im Rahmen ihrer Reformpläne zugesagt, das feste Apothekenhonorar auf 9,50 Euro anzuheben. Doch diese Zusage fand sich später nicht mehr im endgültigen Koalitionsvertrag wieder – die Branche blieb damit ohne die von der Kammer geforderte finanzielle Korrektur. Seither fordert die Organisation die Bundesbehörden zum Handeln auf und betont, dass junge Apotheker zwar weiterhin investitionsbereit seien, aber bessere politische Unterstützung und verbesserte Arbeitsbedingungen bräuchten, um die lokalen Apotheken zukunftsfähig zu halten.
Durch den stetigen Rückgang der Apotheken müssen Patienten nun längere Strecken zurücklegen – besonders für Nacht- und Notdienste. Ohne schnelle Änderungen bei Förderung und Unterstützung wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen und die verbleibenden Anbieter weiter belasten. Die Apothekerkammer besteht darauf, dass nur eine spürbare Erhöhung der Gebühren den langfristigen Zugang zu Medikamenten im ganzen Land sichern kann.
