26 January 2026, 23:23

Berlins Kunstjubiläen glänzen – doch die Stadt kämpft mit tiefer Identitätskrise

Ein altes, detailliertes Stadtplan von Berlin, Deutschland, in einem Rahmen mit kunstvollen Designs und Text.

Berlins Kunstjubiläen glänzen – doch die Stadt kämpft mit tiefer Identitätskrise

Berlin's Kunstszene feiert Jubiläumsfieber – doch die Stadt steckt in tiefer Krise

Mitten in einer Welle von Jubiläumsfeiern steht Berlins Kunstwelt, während die Stadt gleichzeitig mit wachsender Dysfunktion kämpft. Große Institutionen begehen ihre Meilensteine mit prunkvollen Veranstaltungen, doch Kritiker hinterfragen Timing und Begründung mancher Ansprüch. Unterdessen leiden die Berlinerinnen und Berliner unter sich verschlechternden Bedingungen – und zögern oft, ihren Unmut laut zu äußern.

Die Museumsinsel beging kürzlich ihr 200-jähriges Bestehen, obwohl ihre berühmteste Attraktion, das Pergamonmuseum, seit 2013 geschlossen bleibt. Die Sanierungsarbeiten sollen erst 2037 abgeschlossen sein, sodass Besucher:innen nur eingeschränkt Zugang zu den historischen Schätzen haben. In der Nähe feierte die East Side Gallery ihr 35-jähriges Jubiläum und wirbt für sich als "längste Open-Air-Galerie der Welt" – ein Titel, den manche als fragwürdig betrachten.

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Die Neue Nationalgalerie hat ihren renommierten Nationalgalerie-Preis 2026 an den 65-jährigen Maurizio Cattelan verliehen, einen weltweit bekannten Künstler. Berühmt-berüchtigt für provokante Werke wie eine mit Klebeband an die Wand geklebte Banane (für 6,2 Millionen Dollar verkauft) oder ein vergoldetes Klosett (später als Schrott verkauft), sorgt seine Auswahl für Stirnrunen. Viele hatten erwartet, dass der Preis an aufstrebende Talente statt an einen etablierten Namen geht. Unterdessen begeht der Hamburger Bahnhof sein 30-jähriges Jubiläum, doch er wird bald seine Funktion als Ausstellungsort für die Sammlung der Nationalgalerie verlieren. Gleichzeitig hat Kurator Walter Smerling vorgeschlagen, den Flughafen Tempelhof für eine öffentlich finanzierte Ausstellung anzumieten – ein Plan, der angeblich eher auf politische Gunst als auf einen offenen Wettbewerb setzt.

Auch andere Häuser wie die Pinakothek der Moderne in München oder die Berlinische Galerie präsentierten gut aufgenommene Jubiläumsschauen. Kritiker bemerken jedoch, dass Berlins Kulturkalender bedeutende Daten übergeht – etwa den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli. Die Versäumnis unterstreicht die selektive Art, mit der die Stadt an Erinnerungen festhält.

Während Berlins Kunstinstitutionen ihre Feiern fortsetzen, bleiben Fragen zu Prioritäten und Transparenz. Die kulturellen Führungskräfte der Stadt sehen sich mit Skepsis konfrontiert – sei es bei Preisträgern oder Ausstellungsorten. Vorerst geht das Fest weiter, doch die größeren Herausforderungen Berlins bleiben ungelöst.