Der historische Frauenstreik bei Pierburg 1973 veränderte Deutschlands Arbeitswelt
Marie-Theres SegebahnDer historische Frauenstreik bei Pierburg 1973 veränderte Deutschlands Arbeitswelt
Im August 1973 brach im Pierburg-Werk in Neuss ein historischer Streik aus. Arbeiterinnen, viele von ihnen Migrantinnen, forderten faire Löhne und ein Ende der Diskriminierung. Ihr Protest entwickelte sich bald zu einer Bewegung, die die Arbeitsbedingungen in ganz Deutschland veränderte.
Der Streik begann am 13. August, als etwa 20 Frauen die Arbeit niederlegten. Innerhalb weniger Tage schlossen sich Hunderte an. Ihre Hauptforderung war eine Lohnerhöhung um eine Mark, da sie nach dem ungerechten Tarif der „leichten Lohngruppe 2“ bezahlt wurden – obwohl sie dieselbe Arbeit wie Männer verrichteten.
Die Belegschaft von Pierburg bestand größtenteils aus Frauen, darunter viele aus der Türkei, Italien und anderen europäischen Ländern. Männliche Kollegen zeigten in einer seltenen Einheitlichkeit Solidarität mit ihrem Kampf. Selbst Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten sandten Unterstützungserklärungen.
Die Polizei griff gewaltsam ein und löste die Proteste auf. Spätere Berichte enthüllten, dass ein Beamter während der Auseinandersetzung rassistische Beleidigungen geäußert hatte. Doch die Streikenden blieben standhaft.
Bis Freitag, den 17. August, gaben die Arbeitgeber nach. Sie boten eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und schafften die diskriminierende „leichte Lohngruppe 2“ ab. Der Sieg bei Pierburg setzte ein Zeichen und führte zur Abschaffung dieser ungerechten Lohnklassifizierung in ganz Deutschland.
Der Streik bei Pierburg wurde zu einem Wendepunkt für die Arbeiterrechte in Deutschland. Er sicherte Frauen bessere Löhne und beendete ein diskriminierendes Lohnsystem. Die gezeigte Solidarität der männlichen Kollegen und externen Unterstützer markierte einen Wandel in der Arbeiterbewegung dieser Zeit.






