DHL-Kritik auf Rekordniveau: Warum Kunden verzweifeln, während der Konzern im Ausland boomen lässt
Tilo RohtDHL-Kritik auf Rekordniveau: Warum Kunden verzweifeln, während der Konzern im Ausland boomen lässt
Beschwerden über Deutsche Post und DHL erreichen Rekordhoch – während das Unternehmen im Ausland expandiert
Die Kritik an der Deutschen Post und DHL hat in den letzten Jahren stark zugenommen, die Unzufriedenheit der Kunden erreichte neue Höchststände. Allein 2025 verzeichnete die Bundesnetzagentur über 5.000 Beschwerden – ein deutlicher Anstieg gegenüber nur 1.200 im Jahr 2021. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine Präsenz im Ausland aus und investiert 130 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum in Saudi-Arabien, seinem am schnellsten wachsenden Markt.
Im Mittelpunkt der wachsenden Unmut steht die schrumpfende Filialstruktur. 2024 führten Schließungen zu einem Höhepunkt der Verärgerung: 89 Prozent der Beschwerden richteten sich gegen Deutsche Post/DHL. Gesetzlich ist das Unternehmen verpflichtet, bundesweit mindestens 25.000 Annahmestellen zu betreiben, wobei in ländlichen Gebieten maximal 25 Kilometer zwischen ihnen liegen dürfen. Doch seit Jahren hat es Mühe, diese Vorgaben einzuhalten.
Die Aufsichtsbehörden haben reagiert. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, warnte das Unternehmen kürzlich vor möglichen Strafen, sollte es seine Pflichten weiter vernachlässigen. Allein im ersten Halbjahr 2025 gingen 22.981 Beschwerden ein – ein Anstieg um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zwar zeigt sich die Behörde offen für den Ersatz einiger Filialen durch automatisierte Paketstationen, doch sie besteht darauf, dass DHL zunächst nachweisen muss, dass es sich bemüht hat, physische Standorte zu erhalten.
Im Ausland präsentiert sich das Bild anders: Eine DHL-Tochter pumpt 130 Millionen Euro in ein Logistikzentrum in Riad, Saudi-Arabien, wo die Nachfrage stark steigt. Der Baubeginn ist für Anfang 2026 geplant – ein weiteres Zeichen für die Konzentration des Konzerns auf dynamische Wachstumsmärkte.
Deutsche Post/DHL steht damit vor zwei gegensätzlichen Herausforderungen. Im Inland muss das Unternehmen die wachsende Kritik und den regulatorischen Druck wegen seines Filialnetzes bewältigen. Im Ausland signalisiert die Expansion in Saudi-Arabien Vertrauen in das globale Logistikwachstum. Wie das Unternehmen diese Spannung zwischen heimischen Verpflichtungen und internationalen Ambitionen ausbalanciert, wird seine nächsten Schritte prägen.
