08 February 2026, 15:35

Dortmunds Obdachlosenkrise: Initiative kämpft um Würde und Reformen nach fünf Wintertoten

Eine Gruppe von Menschen marschiert auf einer von Bäumen gesäumten Straße, die eine Fahne mit der Aufschrift 'Klimakrise ist eine Krise' trägt, mit Gebäuden und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.

Dortmunds Obdachlosenkrise: Initiative kämpft um Würde und Reformen nach fünf Wintertoten

Dortmunder Initiative fordert dringende Reformen angesichts wachsender Obdachlosigkeit

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Eine Initiative aus Dortmund ruft zu raschen Veränderungen auf, um der steigenden Zahl obdachloser Menschen in der Stadt zu begegnen. Offizielle Zahlen zeigen, dass im Dezember 2025 insgesamt 1.248 Menschen als wohnungslos registriert waren – ein Anstieg um 8 Prozent im Vergleich zu 2024 und 15 Prozent mehr als 2023. Die Gruppe "Schlaf statt Strafe" fordert nun bessere Wohnlösungen, öffentliche Einrichtungen und ein Ende der Politik, die Obdachlosigkeit ihrer Meinung nach kriminalisiere.

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung diese Woche soll an fünf obdachlose Menschen erinnert werden, die in diesem Winter starben – darunter Marlies S., eine ehemalige Sozialarbeiterin, die im Februar verstarb, nachdem sie aufgrund städtischer Vorschriften ihren Schlafplatz wechseln musste.

Zu den zentralen Forderungen der Initiative gehören mehr öffentliche Toiletten, ein uneingeschränkter Zugang zu Notunterkünften sowie ein "Kältebus", der Menschen bei frostigen Temperaturen schützen soll. Zudem sollen Wärmestuben ganzjährig geöffnet bleiben, und das "Schwarzfahren" solle nicht länger als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Langfristig strebt die Gruppe an, dass obdachlose Menschen mit Würde behandelt und in sicheres, dauerhaftes Wohnraum vermittelt werden.

Stefan Cramer, der seit neun Jahren in Dortmund auf der Straße lebt, übernachtet derzeit in einem Abstellraum, hofft jedoch bald eine eigene Wohnung zu finden. Er ist überzeugt, dass die Stadt aktiver werden muss – etwa durch die Anmietung zusätzlicher Wohnungen für Menschen ohne Obdach. Zwar würdigt die Initiative jüngste Maßnahmen wie ein Containerdorf, ein Nachtcafé und eine neue Notunterkunft, doch reichen diese aus ihrer Sicht bei Weitem nicht aus.

Die Dortmunder Polizei betont, sie setze auf einen Ausgleich zwischen Ordnungsvollzug, Prävention und Hilfsangeboten. Die Initiative sieht jedoch einen direkten Zusammenhang zwischen Marlies S.' Tod und den städtischen Regelungen, die Obdachlosen das Schlafen an bestimmten Orten verbieten. Ihr Fall ist zum Symbol für die Forderung nach strukturellen Veränderungen geworden.

Der Gedenkmarsch soll nicht nur an die fünf Todesopfer dieses Winters erinnern, sondern auch Druck für politische Reformen aufbauen. Angesichts weiter steigender Obdachlosenzahlen zielen die Vorschläge der Initiative auf Soforthilfen und langfristige Lösungen ab. Die Stadtverwaltung hat auf die aktuellen Forderungen noch nicht reagiert, doch die Gruppe kündigt weitere Aktionen an, um Gehör zu finden.