Dresdens verbotene Kunst: Wie junge Künstler die DDR herausforderten
Marie-Theres SegebahnDresdens verbotene Kunst: Wie junge Künstler die DDR herausforderten
Dresden galt als eines der wichtigsten Kunstzentren der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Jahrzehntelang wurde die Hochschule für Bildende Künste als führende Ausbildungsstätte für den Sozialistischen Realismus angesehen. Doch ab den späten 1970er-Jahren formierte sich eine neue Generation von Künstlern – viele von ihnen sollten später die strengen Kulturvorgaben des Staates herausfordern.
Ab den 1950er-Jahren war das Albertinum auf der Brühlschen Terrasse alle fünf Jahre Schauplatz der zentralen Kunstausstellungen der DDR. Diese Veranstaltungen zementierten den von der Regierung bevorzugten Stil, doch eine Gruppe junger Absolventen der Hochschule begann, eigene Wege zu gehen. Zu ihnen zählten Eberhard Göschel, Hans Scheib, Reinhard Stangl, Volker Henze, Helge Leiberg, Christine Schlegel, Cornelia Schleime und Ralf Kerbach.
Statt sich am Sozialistischen Realismus zu orientieren, ließen sie sich von den expressionistischen Traditionen der Brücke-Bewegung inspirieren – einem Stil, den die DDR offiziell nicht anerkannte. Bald gerieten sie in Konflikt mit den Staatsbehörden. Viele von ihnen erhielten Ausstellungsverbote, verloren Aufträge und wurden im Rahmen sogenannter "subversiver Maßnahmen" vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht.
Bis Ende der 1970er-Jahre hatten die meisten dieser Künstler die DDR in Richtung Westdeutschland verlassen. Eberhard Göschel jedoch blieb in Dresden. Dort gründete er mit anderen die Obergrabenpresse, eine unabhängige Verlagsinitiative. Gemeinsam mit Helge Leiberg organisierte er zudem thematische Gruppenausstellungen im Leonhardi-Museum in Dresden-Loschwitz – Veranstaltungen, die 1982 schließlich zur vorübergehenden Schließung des Museums führten.
Hans Scheib hingegen schlug in Berlin einen anderen Weg ein. 1977 eröffnete er in der Raumerstraße 23 in Prenzlauer Berg einen privaten Ausstellungsraum. Drei Jahre später folgte ein weiterer in der Sredzkistraße 64. Diese Orte entwickelten sich zu wichtigen Treffpunkten der wachsenden alternativen Kunstszene der DDR.
Das Wirken dieser Künstler prägte die Dresdner Kulturszene nachhaltig. Zwar sahen sich viele Repressionen oder dem Exil ausgesetzt, doch ihr Schaffen legte den Grundstein für unabhängige Kunstbewegungen in der DDR. Durch Ausstellungen, Publikationen und private Räume schufen sie dauerhafte Alternativen zum staatlich kontrollierten Kunstbetrieb.






