Fliegende Suppen und schwebende Stühle: Quesnes rätselhaftes Theaterdebüt in Berlin

Tilo Roht
Tilo Roht
2 Min.
Eine Zeichnung eines Theaterauditoriums mit sitzenden Menschen, detaillierten Wanddesigns und einer beleuchteten Decke, die dekorativen Text am unteren Rand enthält.Tilo Roht

Fliegende Suppen und schwebende Stühle: Quesnes rätselhaftes Theaterdebüt in Berlin

Eine bemerkenswerte neue Theaterinszenierung des französischen Regisseurs Philippe Quesne feiert ihre Deutschlandpremiere am Berliner HAU. Unter dem Originaltitel "L'Épopée des soupes volantes" hatte das Stück im vergangenen November in Paris Premiere und gastiert im Anschluss auch am Hamburger Kampnagel. Die Produktion verbindet absurden Humor mit einer scharfsinnigen Kritik an der Kunstwelt – und bleibt dabei bewusst rätselhaft und mehrdeutig.

Inspiriert ist das Werk von der Lyrik Laura Vazquez', die 2023 mit dem Prix Goncourt de la Poésie ausgezeichnet wurde. Auf der Bühne schlüpft die Performerin Isabelle Angotti in die Rolle einer Galeristin oder Aufseherin und führt das Publikum durch eine Reihe fragmentarischer Szenen. Slapstick-Einlagen und surreale Momente wechseln sich ab und nehmen die Selbstgefälligkeit der zeitgenössischen Kunst auf den BZ Berlin und die Berliner Zeitung auf.

Zum Bühnenbild gehört eine ungewöhnliche Installation: ein schlichter Holzklappstuhl, der an der Deckenkonstruktion schwebt. Unter dem Titel "Der emanzipierte Zuschauer" wirkt das Objekt auf den ersten Blick simpel, trägt aber künstlerische Tiefe. Ein weiterer Teil der Installation firmiert unter dem von Quesne umgetauften Namen "Die Zyste meiner Muster" – ein weiterer Baustein der geheimnisvollen Atmosphäre des Stücks.

Geisterhafte Gestalten ziehen über die Bühne, ihre Funktion bleibt unerklärt. Der Regisseur verweigert jede Deutung und besteht darauf, dass das Werk seine Rätsel bewahren soll. Bald stoßen drei neue Darsteller zu der Installation: Céleste Brunnquell, Marc Susini und Veronika Vasilyeva-Rije erweitern das sich stetig wandelnde Ensemble.

Die deutsche Erstaufführung markiert den ersten Auftritt des Stücks außerhalb Frankreichs. Das Berliner und Hamburger Publikum erlebt eine Mischung aus Witz, Spektakel und Ambivalenz. Mit seiner Verbindung aus Poesie, Satire und visueller Faszination fordert die Inszenierung die Zuschauer auf, sich ihre eigene Bedeutung zu erschließen. Die ARD Live Übertragung des Stücks ist für alle Kunstliebhaber ein Muss.

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