Jobcenter zwischen Lob und Zweifel: Warum viele Langzeitarbeitslose trotz Unterstützung keine Chance sehen
Annerose KensyFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Jobcenter zwischen Lob und Zweifel: Warum viele Langzeitarbeitslose trotz Unterstützung keine Chance sehen
Eine neue Umfrage offenbart gemischte Gefühle unter Langzeitarbeitslosen gegenüber den deutschen Jobcentern. Zwar schätzen viele die Mitarbeiter als kompetent und unterstützend ein, doch fast die Hälfte gibt an, dass die Besuche kaum etwas an ihren Jobchancen verbessern. Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung plant, die Sozialleistungsregeln ab Mitte 2026 grundlegend zu reformieren.
Die zwischen April und Juni 2025 durchgeführte Studie befragte über 1.000 erwerbslose Erwachsene im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mindestens ein Jahr lang Bürgergeld bezogen hatten. Sie zeigt, dass trotz einiger Fortschritte bei den Beschäftigungsquoten in der Vergangenheit weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen, um Menschen zurück in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.
Mehr als zwei Drittel der Befragten äußerten sich zufrieden mit der Arbeit ihres Jobcenters. Fast drei Viertel hielten die Mitarbeiter für fachkundig und hilfsbereit. Dennoch sehen sich 46 Prozent der Bürgergeld-Empfänger mit gravierenden Hindernissen konfrontiert, die einer Arbeitsaufnahme im Weg stehen – etwa gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen.
Die Umfrage ergab zudem, dass 46 Prozent der Teilnehmenden den Eindruck hatten, die Besuche im Jobcenter hätten keine spürbare Auswirkung auf ihre Jobaussichten. Die Bertelsmann Stiftung reagierte darauf mit dem Appell, praktische Unterstützung auszubauen, darunter Coaching, Weiterbildungsangebote und direkte Arbeitsvermittlung. Gleichzeitig schlug sie vor, Jobcenter sollten Eigeninitiative bei der Stellensuche stärker fördern – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit ihren Dienstleistungen verringern könnte.
Vor der Einführung des Bürgergelds im Januar 2023 war die Beschäftigungsquote unter Langzeitarbeitslosen nur langsam gestiegen. Zwischen 2018 und 2022 erhöhte sich der Anteil derer, die von Sozialleistungen in Arbeit wechselten, von etwa 25 auf 30 Prozent, wie aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Dies stellte eine leichte Verbesserung gegenüber dem früheren Hartz-IV-System dar, das in seinen ersten fünf Jahren Übergangswerte von lediglich 20 bis 25 Prozent aufwies.
Nun stehen weitere Änderungen bevor. Der Bundestag hat eine Reform beschlossen, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres Sozialsystem ersetzen soll. Die neuen Regeln zielen darauf ab, mehr Menschen in Arbeit zu bringen. Kritiker warnen jedoch, dass grundlegende Probleme wie Qualifikationsdefizite und gesundheitliche Einschränkungen damit nicht behoben werden.
Die Umfrageergebnisse zeigen ein deutliches Spannungsfeld: Zwar erhalten die Jobcenter durchweg akzeptable Bewertungen, doch viele Arbeitslose kämpfen weiterhin mit dem Wiedereinstieg in den Beruf. Die anstehenden Sozialreformen werden die Anforderungen verschärfen – doch ob sie erfolgreich sind, hängt davon ab, ob die Jobcenter gezieltere Unterstützung leisten können. Solange Hindernisse wie Gesundheit und Qualifikationen nicht angegangen werden, könnte die Wirkung strengerer Regeln begrenzt bleiben.