09 June 2026, 10:30

Kiews umstrittene Denkmal-Entfernung: Warum Bulgakows Erbe die Gemüter spaltet

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Bulgakow-Denkmals in Kiew

Kiews umstrittene Denkmal-Entfernung: Warum Bulgakows Erbe die Gemüter spaltet

Am 4. Juni 2023 wurde in Kiew ein Denkmal für den berühmten Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss ging vom Stadtrat aus und ist Teil einer umfassenderen Initiative, Symbole mit Bezug zum russischen imperialen Einfluss abzubauen. Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk hat sich seitdem gegen diesen Schritt ausgesprochen und ihn als falsch bezeichnet.

Der Kiewer Stadtrat hatte die Entfernung des Denkmals angeordnet und dies als Teil der Entkolonialisierungsbemühungen dargestellt. Die Behörden richteten sich dabei gegen Objekte, die mit Kulturschaffenden in Verbindung stehen, die als Repräsentanten der russischen Imperialpolitik gelten. Doch Bulgakow, der in Kiew geboren wurde, bleibt ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes der Stadt.

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Popadjuk kritisierte die Maßnahme scharf und bezeichnete sie als Versuch, „den Schriftsteller mit einem Kran zu besiegen“. Sie argumentierte, dass solche Schritte die eigentlichen Probleme nicht lösen würden, und zitierte dabei Bulgakows eigene Worte: „Verderben beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Die Schachspielerin betonte zudem, wie Bulgakows Werke – etwa „Der Meister und Margarita“ – ihr Verständnis für die sowjetische Unterdrückung geprägt hätten.

Mit vierzehn habe sie den Roman zum ersten Mal gelesen, und er habe sie zutiefst bewegt, erzählte Popadjuk. Sie unterstrich, dass Bulgakow, der als Arzt in der Ukraine gearbeitet habe, eng mit dem Land verbunden gewesen sei. Für sie vermöge sein literarisches Werk die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft weit eindringlicher darzustellen als die Entfernung von Symbolen es je könnte.

Die Debatte um das Bulgakow-Denkmal spiegelt die größeren Spannungen zwischen Entkolonialisierung und kulturellem Erbe wider. Während die Behörden darauf drängen, Symbole aus der Imperialzeit zu tilgen, argumentieren Kritiker wie Popadjuk, dass es die Literatur sei – und nicht die physische Beseitigung von Denkmälern –, die die wahre Kraft besitze, historische Ungerechtigkeiten aufzudecken. Bulgakows Vermächtnis in Kiew bleibt damit ein umstrittenes Thema.

Quelle