Merz' erstes Jahr als Kanzler: Koalition am Abgrund, eigene Partei gespalten
Marie-Theres SegebahnMerz' erstes Jahr als Kanzler: Koalition am Abgrund, eigene Partei gespalten
Friedrich Merz hat sein erstes Jahr als Bundeskanzler mit niedrigen Umfragewerten und einer belasteten Koalition hinter sich. Kritiker werfen ihm vor, mit seinem Kurs die Gräben zwischen CDU und SPD weiter vertieft zu haben. Immer mehr stellen inzwischen infrage, ob seine Führung die nötige Stabilität in die Regierung zurückbringen kann.
Unter Merz’ Führung haben sich die Spannungen in der Koalition verschärft. Erst kürzlich machte er die SPD für mangelnde Kompromissbereitschaft verantwortlich – ein Schritt, den manche als taktischen Fehler werten. Seine Vorwürfe haben nicht nur den Widerstand der Sozialdemokraten weiter befeuert, sondern auch den Unmut in den eigenen Reihen verstärkt.
Die SPD hat in zentralen Fragen wie Migration, Bürgergeld und Rente bereits Zugeständnisse gemacht. Dennoch räumte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ein, dass es den beiden Parteien zunehmend schwerfalle, die Erfolge des anderen anzuerkennen. Gleichzeitig zeigen CDU-Ministerpräsidenten wie Daniel Günther und Hendrik Wüst, wie stabile Koalitionen funktionieren: Indem sie ihren Partnern sichtbare Erfolge zugestehen – eine Strategie, die Merz bisher nicht verfolgt.
Experten warnen, dass Merz’ Tendenz, innerparteiliche Koalitionsgegner zu schonen, deren Widerstand nur weiter bestärkt. Mit ohnehin schwacher Position in der Partei könnten ihm seine jüngsten Vorwürfe nun zum Bumerang werden. Berater raten ihm, klare Grenzen zu setzen und sich auf den Wiederaufbau von Vertrauen in der politischen Mitte zu konzentrieren.
Nach einem Jahr im Amt bleibt die Koalition fragil, Merz’ eigene Stellung unsicher. Sein konfrontativer Kurs hat die SPD verprellt, ohne die eigene Partei zu einen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er noch die Kurve kriegt und die Regierung stabilisieren kann.






