Moers erinnert an vergessene Spuren jüdischen Lebens in neuer Broschüre
Tilo RohtMoers erinnert an vergessene Spuren jüdischen Lebens in neuer Broschüre
Neue Broschüre "Spuren jüdischen Lebens" in Moers erschienen – eine Spurensuche zur jüdischen Geschichte der Stadt
In Moers ist eine neue Broschüre mit dem Titel "Spuren jüdischen Lebens" erschienen, die die jüdische Vergangenheit der Stadt beleuchtet. Die Publikation widmet sich der frühen jüdischen Gemeinde, der ehemaligen Synagoge sowie den Auswirkungen der nationalsozialistischen Deportationen. Gleichzeitig markiert sie den Beginn der offiziellen Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Julia Zupancic über die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Die Broschüre porträtiert jüdische Bürgerinnen und Bürger wie Dr. Hermann Bähr und Maria Djuk, die vor 1933 fest in das städtische Leben integriert waren. Erhältlich ist sie für drei Euro in öffentlichen Einrichtungen der Stadt.
Die jüdische Gemeinde in Moers war zwar klein, aber kulturell aktiv. Von etwa 100 Mitgliedern im Jahr 1880 wuchs sie auf rund 200 bis 1933 an – deutlich weniger als in größeren rheinischen Städten wie Köln (über 15.000) oder Düsseldorf (7.000). Trotz ihrer geringen Größe errichtete die Gemeinde 1895 eine Synagoge, gründete Schulen und unterhielt Wohlfahrtseinrichtungen. Ihre Mitglieder, oft im Handel oder in kommunalen Berufen tätig, erreichten eine hohe Integration, die mitunter die in stärker industrialisierten Städten überstieg, wo der Antisemitismus ausgeprägter war.
Die neue Broschüre dokumentiert diese Geschichte, darunter die Stolpersteine und das Schicksal der Deportierten. Sie erzählt auch von jüdischen Bürgern, die einst als Nachbarn mit vollen Bürgerrechten lebten. Das Projekt steht für die anhaltenden Bemühungen der Gesellschaft, das Gedenken wachzuhalten und jüngere Generationen zu bilden.
Bürgermeisterin Julia Zupancic traf sich kürzlich mit dem Vorstand des Vereins, um ihre Unterstützung zu bekräftigen. Sie betonte die Bedeutung, sich an das jüdische Leben in Moers zu erinnern und Antisemitismus entgegenzutreten. Bei dem Treffen wurde auch die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Heinz Kremers und Nikolaus Schneider gewürdigt, die für ihr Engagement im christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet wurden. Die bundesweiten Vernetzungen der Gesellschaft trugen maßgeblich zu dieser Anerkennung für Moers bei.
Bildung bleibt ein zentrales Anliegen des Vereins. Lehrer Daniel Schirra und sein ehemaliger Schüler Julian Müller bringen die Arbeit der Gruppe aktiv in Schulen ein. Regelmäßige Kooperationen mit lokalen Schülerinnen und Schülern stellen sicher, dass junge Moerserinnen und Moerser die jüdische Geschichte ihrer Stadt kennenlernen.
Die Broschüre ist für drei Euro in Bibliotheken, Rathäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen in Moers erhältlich. Der Verein setzt seine Arbeit mit Schulprojekten, öffentlichen Veranstaltungen und Partnerschaften fort. Mit der Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Zupancic will die Gruppe das Gedenken an die jüdische Geschichte Moers' für kommende Generationen lebendig halten.






