08 February 2026, 13:35

NRW-Krankenhäuser kämpfen mit gravierenden Lücken in der Notfallvorsorge

Ein Plakat mit einer Weltkarte und dem Text "Wo die Opfer sind: Retten Sie die Überlebenden - 3.950.000 hungernde Menschen" zur Sensibilisierung über die Auswirkungen des Krieges und die Notwendigkeit von Maßnahmen.

NRW-Krankenhäuser kämpfen mit gravierenden Lücken in der Notfallvorsorge

Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen (NRW) weisen erhebliche Lücken in der Notfallvorsorge auf, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Zwar verfügen viele über Notstromaggregate und medizinische Reserven, doch bestehen gravierende Schwächen bei der Wasserversorgung, der Unterkunftskapazität und der Finanzierung von Krisenplänen. Experten warnen, dass die bestehenden Systeme bei großflächigen Katastrophen oder Angriffen an ihre Grenzen stoßen könnten.

Eine kürzliche Bewertung von 53 Krankenhäusern in NRW ergab, dass 40 über Notstromsysteme verfügen. Die meisten setzen auf Dieselgeneratoren mit Treibstoffvorräten für bis zu 72 Stunden – ein in deutschen Gesundheitseinrichtungen üblicher Standard. Das Bergmannsheil etwa betreibt fünf solche Aggregate. Doch bei der Wasserversorgung sieht es weitaus schlechter aus: Nur jedes fünfte Krankenhaus hält einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche bereit, die übrigen sind auf externe Lieferungen angewiesen.

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Auch die medizinische Ausstattung stellt eine Herausforderung dar. Zwar sind essenzielle Medikamente für zwei bis sechs Wochen vorrätig, doch Blutreserven wären im Krisenfall schnell aufgebraucht. Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um Engpässe bei Arzneimitteln zu vermeiden und Verluste durch abgelaufene Bestände zu reduzieren. Die Ausbildung für Massenanfall von Verletzten ist ebenfalls begrenzt, da knappe Budgets großangelegte Übungen ohne Landes- oder Bundeszuschüsse unmöglich machen.

Ebenso besorgniserregend ist die physische Infrastruktur. Während des Kalten Krieges nutzte NRW Hilfsbunker als medizinische Schutzräume, doch diese wurden mittlerweile alle geschlossen. Heute verfügt kein einziges Krankenhaus in der Region über unterirdische Schutzräume, und bundesweite Daten zu solchen Einrichtungen werden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Die städtischen Kliniken Kölns haben zwar ein zweistöckiges Untergeschoss entworfen, das im Frieden als Parkhaus und im Krisenfall als medizinisches Zentrum dienen soll – doch das Projekt scheitert an der Finanzierung.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann räumte die haushaltliche Belastung ein und regte an, die Pläne Kölns aus Bundeswehr-Mitteln zu finanzieren. Unterdessen äußerte Mirko Aach, ärztlicher Direktor des Bergmannsheils, Besorgnis über die Kapazitäten der Krankenhäuser bei Massenanfall von Verletzten – insbesondere im Falle von Angriffen auf NATO-Mitglieder oder Deutschland selbst.

Die Umfrage unterstreicht dringenden Handlungsbedarf in der Krankenhausvorsorge, von Wasser und Strom über Schutzräume bis hin zu Schulungen. Ohne zusätzliche Mittel oder politische Weichenstellungen warnen Fachleute, dass die bestehenden Systeme unter extremem Druck versagen könnten. Das blockierte Kölner Kellerprojekt und die veraltete Infrastruktur in NRW verdeutlichen das Ausmaß der bevorstehenden Aufgaben.