21 December 2025, 21:53

"Schmerzhaftes Thema": Viele Kindergarten-Profis beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern - aber intervenieren nicht

Ein Baby unter einer Babywiege mit einem Warnaufkleber auf der linken Seite der Wiege.

"Schmerzhaftes Thema": Viele Kindergarten-Profis beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern - aber intervenieren nicht

„Ein schmerzhaftes Thema“: Viele Kita-Fachkräfte beobachten unangemessenes Verhalten von Kollegen gegenüber Kindern – greifen aber nicht ein

GÜTERSLOH. Unangemessenes Verhalten von Mitarbeitenden gegenüber Kindern wird in Kindertageseinrichtungen offenbar weit häufiger beobachtet, als in der Öffentlichkeit bekannt ist.

Eine neue Studie deckt weitverbreitete Sorgen unter Erzieher:innen und Kita-Mitarbeitenden über den Kinderschutz in deutschen Frühförderstätten auf. Fast 70 Prozent der Fach- und Führungskräfte geben an, sich belastet zu fühlen, wenn sie Situationen erleben, in denen Kinder gefährdet erscheinen. Fachverbände fordern nun dringend Reformen, um die Teamarbeit und Schutzmechanismen zu verbessern.

Die Ergebnisse zeigen Lücken im Selbstvertrauen der Mitarbeitenden, unklare Standards und Ängste, die ein Einschreiten verhindern – selbst wenn die Betroffenen das Gefühl haben, handeln zu müssen.

Mehr als ein Viertel der Frühpädagog:innen beobachtet regelmäßig Verhaltensweisen von Kollegen, die bei ihnen einen Schutzinstinkt auslösen. Doch viele zögern, einzugreifen, weil sie unsicher sind, ob sie die Situation richtig einschätzen – oder weil sie Konflikte fürchten. Die Studie weist darauf hin, dass nur die schwerwiegendsten Fälle gemeldet werden, was nahelegt, dass Fehlverhalten weit verbreiteter ist, als dokumentiert.

Loyalitätskonflikte, die Angst vor Ausgrenzung und eine schlechte Teamkultur halten Mitarbeitende zusätzlich davon ab, Missstände anzusprechen. Fast keine Kita verfügt über eine gemeinsame Definition von angemessenem Verhalten, was die Fachkräfte verunsichert und unter Stress setzt. Zwar tragen respektvolle Kommunikation und starke Führung dazu bei, Schäden zu vermeiden – doch diese Schutzfaktoren sind oft unzureichend ausgeprägt.

Als Reaktion fordern führende Organisationen – darunter der Deutsche Kitaverband, der Bundesverband für Kindertagespflege und der Deutsche Kinderschutzbund – eine bessere Vernetzung der Teams. Sie verlangen klarere Schutzkonzepte und eine fachübergreifende Zusammenarbeit, um unangemessenes Verhalten wirksam zu bekämpfen. Allein höhere Personalzahlen reichen ihrer Ansicht nach nicht aus, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten – entscheidend sei eine verbesserte Zusammenarbeit.

Die Studie definiert zwar nicht konkret, was unter „unangemessenem“ oder „schädigendem“ Verhalten zu verstehen ist, konzentriert sich aber auf Momente, in denen Fachkräfte über ein Einschreiten nachdenken. Die Verbände betonen, dass der Kindeswohlschutz höher priorisiert werden müsse, um prekäre Betreuungssituationen zu vermeiden und eine hochwertige frühkindliche Bildung zu sichern.

Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an einheitlichen Leitlinien und stärkerer Unterstützung für Teams in Kitas. Ohne klarere Definitionen von angemessenem Verhalten und bessere Strukturen zur Konfliktlösung werden Mitarbeitende weiterhin vor Hindernissen stehen, wenn es darum geht, Kinder zu schützen. Die Fachverbände drängen nun auf systemische Veränderungen, um diese Lücken zu schließen und die Risiken in der Frühbetreuung zu verringern.

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