Sichere Häfen an Bahnhöfen: Wie Frauen vor Gewalt geschützt werden sollen
Marie-Theres SegebahnBundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Sichere Häfen an Bahnhöfen: Wie Frauen vor Gewalt geschützt werden sollen
Seit 2024 gibt es an großen deutschen Bahnhöfen Beratungsstellen für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Die Einrichtungen bieten Betroffenen von häuslicher Gewalt und sexualisierter Gewalt psychologische Beratung, rechtliche Unterstützung und sichere Rückzugsräume. Bisher wurden über 200 Fälle bearbeitet – doch die Zukunft der Zentren ist ungewiss.
Die Pilotprojekte wurden am Berliner Hauptbahnhof, am Kölner Hauptbahnhof und am Berliner Ostbahnhof im Rahmen eines Modellversuchs eingerichtet. Betreut werden die Stellen ausschließlich von speziell geschulten Polizistinnen, die eine vertrauensvollere Atmosphäre als herkömmliche Polizeidienststellen schaffen. Hier können Betroffene Unterstützung bei der Anzeigenerstattung, der Vermittlung in Frauenhäuser oder der medizinischen Versorgung erhalten.
2024 verzeichneten die deutschen Behörden 187.128 Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen – ein Anstieg um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fachleute führen dies sowohl auf eine mögliche Zunahme der Vorfälle als auch auf eine höhere Bereitschaft zurück, Gewalt zu melden. Dennoch bleibt ein Großteil der Fälle im Verborgenen, sodass viele Betroffene ohne Hilfe bleiben.
Trotz der positiven Bilanz des Modellversuchs steht eine Ausweitung auf weitere Standorte noch aus. Sollten keine zusätzlichen Mittel bewilligt werden, könnten die bestehenden Zentren bereits im September 2027 wieder schließen.
Seit ihrer Eröffnung haben die Beratungsstellen Hunderten von Frauen geholfen – doch eine langfristige Finanzierung ist noch nicht gesichert. Ohne weitere Fördergelder oder politische Weichenstellungen droht das Ende des Programms im Jahr 2027. Bis dahin erhalten Betroffene weiterhin spezialisierte Hilfe an den drei aktiven Standorten.
