"Sünderwäldchen": Warum ein historischer Wald der Kiesabgrabung weichen muss
Tilo RohtWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen sollten - "Sünderwäldchen": Warum ein historischer Wald der Kiesabgrabung weichen muss
"Sünderwäldchen": Kleiner Wald bei Hambach soll gerodet werden – Streit um Ökologie und Kommerz
Ein kleines Waldstück mit dem Namen "Sünderwäldchen" soll in der Nähe des deutschen Braunkohletagebaus Hambach gerodet werden. Die Räumung weckt bei Anwohnern Erinnerungen und entfacht erneut die Debatte über den Konflikt zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen. Trotz Protesten von Umweltschützern haben die Behörden die Abholzung genehmigt.
Das "Sünderwäldchen" liegt östlich des größeren Hambacher Forstes, der 2020 durch den deutschen "Braunkohle-Kompromiss" gerettet wurde. Anders als sein Nachbar genießt das kleinere Waldgebiet jedoch keinen rechtlichen Schutz. Sein Name geht auf alte Dorfgeschichten zurück, wonach sich dort einst junge Leute zu heimlichen Treffen trafen.
Jahrzehntelanger Braunkohleabbau im Rheinland hat riesige Krater in die Landschaft gerissen und karge Gruben hinterlassen, die später zu künstlichen Seen geflutet werden sollen. Der Energiekonzern RWE, der für das Projekt verantwortlich ist, behauptet, der Wald müsse weichen, um Kies abzubauen – ein Material, das benötigt werde, um die Ufer des zukünftigen Hambacher Sees zu stabilisieren. Kritiker vermuten jedoch, dass das Material stattdessen für den Bau einer Luxus-Yacht-Marina verwendet werden soll – ein Vorhaben, das Profit über Naturschutz stellt.
Im Januar entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass die Rodung des Waldes nicht gegen Artenschutzgesetze verstoße. RWE versichert, alle notwendigen Genehmigungen und ökologischen Prüfungen lägen vor, doch konkrete Schutzmaßnahmen bleiben unklar. Zu den in der Region vorkommenden Arten zählen das Bechstein-Fledermaus, der Haselmaus, der Mittelspecht und der Grasfrosch.
Die Fällarbeiten dürfen ab dem 1. Oktober beginnen. Die Stadt Kerpen hat den Zutritt zum Gelände ab dem 20. Oktober verboten, was zu einem starken Polizeiaufgebot führt, da Aktivisten die Rodung zu verhindern versuchen. Nordrhein-Westfalen plant, bis 2030 aus der Braunkohleförderung auszusteigen; die ehemaligen Tagebaue sollen dann zu Seen geflutet werden – darunter auch die Grube Hambach, in der das "Sünderwäldchen" steht.
Die Beseitigung des Waldes markiert einen weiteren Schritt im Wandel der Region von einer Bergbaulandschaft zu einer Seenplatte. Mit den erteilten Genehmigungen und der polizeilichen Durchsetzung der Zugangsverbote wird das "Sünderwäldchen" bald verschwinden. Sein Verlust lässt Umweltschützer fragen, ob wirtschaftliche Interessen die ökologischen Bedenken überlagert haben.






