Tchibo verklagt Aldi Süd wegen Dumpingpreisen für Barissimo-Kaffee
Marie-Theres SegebahnIst Kaffee zu billig? Aldi Süd und Tchibo streiten um Preise - Tchibo verklagt Aldi Süd wegen Dumpingpreisen für Barissimo-Kaffee
Die Kaffeepreise sind in den letzten Jahren stark angestiegen und belasten sowohl Händler als auch Verbraucher. Deutsche Käufer zahlen heute für Bohnenkaffee fast 58 Prozent mehr als noch 2020. Angesichts dieser steigenden Kosten ist nun ein Rechtsstreit zwischen Tchibo und Aldi Süd über Vorwürfe unlauterer Preispraktiken entbrannt.
Tchibo wirft Aldi Süd vor, seine Barissimo-Kaffeesorte seit Ende 2023 unter den Herstellungskosten anzubieten. Das Unternehmen argumentiert, dies verstoße gegen das Wettbewerbsrecht, da solche Niedrigpreise kleinere Mitbewerber schädigten und den Markt verzerren würden. Berichten zufolge hat Aldi Süd einige Kaffeesorten mit Verlusten von bis zu zwei Euro pro Kilogramm verkauft.
Der Streit landete zunächst vor dem Landgericht Düsseldorf, das im Januar die Klage von Tchibo abwies. Das Gericht sah keine Hinweise auf wettbewerbswidriges Verhalten. Tchibo legte jedoch Berufung ein, und das Oberlandesgericht Düsseldorf prüft den Fall nun erneut. Zudem befasste sich der 6. Kartellsenat des Bundesgerichtshofs mit der Sache und hörte am 2. Dezember 2025 die Verhandlungsparteien an. Rupprecht Podszun, Professor für Wettbewerbsrecht, äußerte sich zur Debatte: Niedrige Preise seien erst dann problematisch, wenn sie gezielt eingesetzt würden, um Konkurrenten zu verdrängen und später die Preise zu erhöhen. Der Fall spiegle zudem größere Verschiebungen in der Branche wider, bei der Großhändler zunehmend die Produktion kontrollierten.
Der Rechtsstreit zwischen Tchibo und Aldi Süd bleibt vorerst ungelöst. Sollten die Gerichte zugunsten von Tchibo entscheiden, könnte dies Aldi Süd zwingen, seine Kaffeepreise anzupassen. Unabhängig vom Ausgang wird das Urteil die Wettbewerbsregeln auf dem deutschen Kaffemarkt wohl noch Jahre prägen.
