18 February 2026, 17:37

Theaterprozess zu AfD-Verbot: Jury fordert tiefere Prüfung statt Urteil

Eine Zeichnung eines Gerichtssaals mit sitzenden und stehenden Menschen, einem Podium mit Mikrofon auf der rechten Seite, Fenstern auf der linken Seite und Text unten.

Theaterprozess zu AfD-Verbot: Jury fordert tiefere Prüfung statt Urteil

Dreitägige Theaterdebatte über AfD-Verbot endet mit Aufruf zu vertiefter Prüfung

Unter dem Titel "Prozess gegen Deutschland" hat der Schweizer Regisseur Milo Rau, bekannt für seine inszenierten Gerichtsverhandlungen, eine dreitägige Bühnendebatte über ein mögliches Verbot der rechtsextremen AfD geleitet. Den Vorsitz führte die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, während Befürworter und Kritiker eines Parteiverbots in einer gerichtsähnlichen Auseinandersetzung aufeinandertrafen.

An der Veranstaltung nahmen prominente Vertreter aus Politik und Justiz teil, die über die Frage diskutierten, ob die AfD verboten werden sollte. Eine siebenköpfige Jury sprach sich schließlich für eine weitere Prüfung eines Verbots aus – ohne jedoch eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Raus Ansatz erinnerte an frühere Projekte wie "Die letzten Tage der Ceaușescus" oder "Das Kongo-Tribunal", bei denen reale Beteiligte anstelle von Schauspielern politische Konflikte aufarbeiteten.

Kurz vor Beginn der Debatte zogen einige geladene Redner ihre Teilnahme zurück. Sie begründeten dies mit Unbehagen, gemeinsam mit Vertretern der extremen Rechten auf der Bühne zu stehen. Dennoch fand die Veranstaltung statt, wobei Rau sie als gesellschaftliche Abrechnung und nicht als juristisches Urteil inszenierte.

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Auch in früheren Produktionen wie "Die Moskauer Prozesse" nutzte Rau theatralische Gerichtsverhandlungen, um politische Themen zu sezieren. Unklar bleibt jedoch, wie er dabei künstlerische Freiheit oder rechtsextreme Rhetorik thematisierte.

Die Empfehlung der Jury hält die Debatte über ein AfD-Verbot weiter am Laufen. Obwohl Raus Inszenierung keine rechtliche Bindung besitzt, bot sie eine Plattform für die öffentliche Auseinandersetzung mit Extremismus und Demokratie. Mit der Verschmelzung von Theater und realer Politik setzte der Regisseur seine Tradition fort, performativ brisante Themen aufzugreifen.