Guido Cantz: Trump lässt Satiriker alt aussehen - Trumps SMS an Norwegen macht alten Cantz-Witz zur bitteren Realität
Ein Jahre alter Witz des deutschen Komikers Guido Cantz über Donald Trump und den Friedensnobelpreis ist auf unerwartete Weise Wirklichkeit geworden. Der ehemalige US-Präsident schickte kürzlich eine SMS an Norwegens Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und brachte damit ein Thema wieder auf, das er jahrelang öffentlich bedauert hatte: nie mit der Auszeichnung bedacht worden zu sein.
Cantz hatte einst scherzhaft angedeutet, Trump würde den Preis 'notfalls mit Gewalt an sich reißen' – eine Zeile, die angesichts von Trumps jüngstem Schritt plötzlich neue Brisanz gewinnt.
Schon 2019 hatte Cantz in einem Comedy-Auftritt Trumps Besessenheit vom Friedensnobelpreis auf die Schippe genommen. Er spekulierte, der damalige Präsident könnte zu extremen Mitteln greifen, um ihn zu ergattern – selbst wenn das Komitee ihn ablehne. Wie so viele Witze über Trump verpuffte auch dieser schnell: Seine realen Eskapaden überholten die Satire oft, bevor der Pointen überhaupt landen konnten.
Vorgespult bis November 2025: Trump sandte eine SMS an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Die Nachricht – entgegen erster Falschmeldungen kein offener Brief – bezog sich auf seine Überzeugung, den Preis verdient zu haben. Er behauptete, während seiner Amtszeit 'acht Kriege beendet' zu haben, eine Aussage, die vom Nobelkomitee nie offiziell anerkannt wurde. Cantz blickt heute zurück und stellt fest, wie Trumps eigenes Verhalten politische Comedy zur Erschöpfungsprobe machte. Jede absurde Vorhersage, jeder überzogene Seitenhieb drohte innerhalb von Tagen Realität zu werden. Der Komiker merkt an, dass Witze über Trump nicht wegen mangelnden Witzes veralteten, sondern weil seine Taten schneller waren als die Satire sie einholen konnte.
Einen offiziellen offenen Brief von Trump an Støre vom 13. November 2021, wie ihn veraltete Suchergebnisse nahelegen, gibt es nicht. Die SMS aus dem Jahr 2025 bleibt die einzige bestätigte Kommunikation in dieser Angelegenheit – und beweist einmal mehr, dass die Wahrheit bei dem ehemaligen Präsidenten oft die Fiktion übertrifft.
Der Austausch zwischen Trump und Støre hat Cantz’ altem Witz nun eine unfreiwillige Renaissance beschert. Während die Pointe damals als übertriebene Satire gemeint war, verwandelte Trumps Hartnäckigkeit gegenüber dem Nobelkomitee die Karikatur in Fakt.
Bisher bleibt der Preis für ihn unerreichbar – und die Episode steht einmal mehr exemplarisch dafür, wie Trump die Grenze zwischen Spott und Wirklichkeit verwischt.
