27 April 2026, 00:43

Verbissen oder hungrig: Warum Fußballer nicht beides gleichzeitig sein können

Plakat, das Zuschauer bei einem Fußballspiel in einem Stadion zeigt, mit dem Text "Fußball von der U-Bahn - Londoner Humor Nr. 3" oben.

Verbissen oder hungrig: Warum Fußballer nicht beides gleichzeitig sein können

Fußballtrainer und Spieler sprechen oft davon, dass Mannschaften "verbissen" oder "hungrig" sein müssen, um zu gewinnen. Doch diese beiden Zustände können tatsächlich nicht gleichzeitig existieren. Die Debatte darüber, welche Einstellung besser funktioniert, ist nach jüngsten Äußerungen der deutschen Nationalmannschaft wieder aufgeflammt.

Bundestrainer Julian Nagelsmann forderte kürzlich von seinen Spielern "Gier und Verbissenheit" vor dem Spiel gegen Nordirland. Er wünschte sich eine aggressivere Spielweise auf dem Platz. Doch biologisch betrachtet ist es unmöglich, gleichzeitig verbissen und hungrig zu sein – denn Galle, die den bitteren Geschmack verursacht, wird erst nach dem Verzehr fetthaltiger Speisen produziert.

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Auch die Spieler selbst beschreiben ihre Mentalität oft in ähnlichen Begriffen. Joshua Kimmich vom FC Bayern München sagte etwa, er wolle "verbissener, zäher, gnadenloser" sein. Andere gehen noch weiter und behaupten, Gegner sollten es "ekelhaft" finden, gegen sie zu spielen. Der jüngste Erfolg von Arminia Bielefeld wurde hingegen auf eine "deutlich verbissenere" Haltung zurückgeführt.

Nicht alle teilen diese Auffassung. Ein Team demontierte kürzlich Bayer Leverkusen mit 7:0 – ganz ohne Verbissenheit oder Abscheu, stattdessen durch Klasse und eiskalte Chancenverwertung. Selbst innerhalb von Vereinen kann die Forderung nach mehr Verbissenheit für Spannungen sorgen. Maximilian Philipp vom SC Freiburg wurde einst im Training kritisiert, weil er "nicht verbissen genug" gewesen sei.

Der Begriff "Ekel" im Fußball ist nicht neu. Er taucht seit Jahren in Sportberichten auf, neben Ausdrücken wie "gnadenlos" oder "beißend". Das Konzept hat sogar philosophische Wurzeln – Jean-Paul Sartre setzte sich in seinem Roman Der Ekel (1938) damit auseinander. Im Fußball bleibt die Debatte jedoch praktisch: Welche Einstellung bringt tatsächlich Erfolge?

Die Diskussion über Verbissenheit versus Hunger im Fußball spaltet weiterhin die Meinungen. Während einige Trainer und Spieler auf eine rücksichtslose, aggressive Herangehensweise schwören, beweisen andere, dass Technik und Präzision genauso wirksam sein können. Vorerst zeigt die Kontroverse keine Anzeichen, aus dem Fußball zu verschwinden.

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