Verlassene Dörfer am Tagebau Garzweiler erhalten unerwartete Rettung durch Hausverkäufe
Marie-Theres SegebahnVerlassene Dörfer am Tagebau Garzweiler erhalten unerwartete Rettung durch Hausverkäufe
Fünf Dörfer, die einst für den Abriss zugunsten des Braunkohletagebaus Garzweiler vorgesehen waren, haben nun eine zweite Chance erhalten. Die Entscheidung der deutschen Bundesregierung, 2022 aus der Kohle auszusteigen, bewahrte Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath vor der Zerstörung. Jetzt verkauft der Energiekonzern RWE die ersten 25 Häuser in diesen verlassenen Ortschaften.
Die meisten Bewohner hatten die Dörfer bereits Jahre zuvor verlassen, ihre Immobilien verkauft und sich angesichts der drohenden Erweiterung des Tagebaus anderswo niedergelassen. Nur wenige blieben zurück, als der Kohleausstieg die Abrisspläne kippte. Die weitgehend entvölkerten Dörfer erleben nun eine langsame Wiederbelebung, da RWE die Häuser wieder auf den Markt bringt.
Die Preise variieren stark: von 97.000 Euro für ein heruntergekommenes Haus bis zu 325.000 Euro für einen geräumigen Bauernhof. Der Aktivist David Dresen begrüßt zwar die Verkäufe, kritisiert aber, dass der Prozess zu langsam voranschreite. Zudem bemängelt er, dass der Fokus auf lokale Käufer andere ausschließe, die in Deutschlands angespanntem Wohnungsmarkt kaum Chancen hätten. Über den Wohnungsverkauf hinaus hat das Land Gelder zugesagt, um die Dörfer wieder zu lebendigen Gemeinden aufzubauen. Doch Kritiker wie Dresen und die Initiative KulturEnergie werfen vor, die Pläne seien intransparent und die Bewohner würden nicht in die Entscheidungen einbezogen.
Langfristig sollen aus den ehemaligen Tagebaulöchern Seen entstehen, die über eine 45 Kilometer lange Pipeline mit Rheinwasser gespeist werden. Wenn alles nach Plan verläuft, könnten die ersten Häuser am Seeufer bis 2076 bezugsfertig sein. Allerdings äußert der Umweltverband BUND Zweifel: Ob der Rhein genug Wasser liefern könne und ob Verunreinigungen ein Problem darstellen könnten, sei ungewiss.
Der Verkauf der Häuser markiert einen Neuanfang für die Dörfer, die einst dem Abriss geweiht waren. Mit staatlicher Förderung und Plänen für künstliche Seen könnte die Region irgendwann zu einem Wohnzentrum werden. Doch Sorgen über mangelnde Transparenz, die Wasserversorgung und das Tempo der Erholung dieser Geisterdörfer bleiben bestehen.
