29 April 2026, 16:49

Warum die linke Kritik am Neoliberalismus seit Jahrzehnten an Kraft verliert

Schwarze und weiße Illustration, die den Übergang von Tory-Regelung zu liberaler Regierung zeigt, mit Menschen, Tieren und Gegenständen.

Warum die linke Kritik am Neoliberalismus seit Jahrzehnten an Kraft verliert

Krise der Kritik? Warum die Opposition gegen den Neoliberalismus seit Jahrzehnten an Schwung verliert

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Eine neue Anthologie untersucht, warum sich der Widerstand gegen den Neoliberalismus in den vergangenen Jahrzehnten nur schwer durchsetzen konnte. "Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter" argumentiert, dass nicht nur der Aufstieg marktliberaler Politik, sondern auch die eigenen Schwächen der Linken einer kritischen Prüfung bedürfen. Der von Felix Dümcke, Flemming Falz und Tim Schanetzky herausgegebene Band stellt lang gehegte Annahmen über den Widerstand gegen die wirtschaftliche Liberalisierung infrage.

Das 355 Seiten starke Werk, erschienen im Wallstein Verlag, hinterfragt, ob die Vorherrschaft des Neoliberalismus allein auf strukturelle Veränderungen oder ideologische Verschiebungen zurückzuführen ist. Traditionell verweisen Wissenschaftler:innen auf zwei Erklärungsansätze: die Umgestaltung des Kapitalismus selbst und die Verbreitung neoliberaler Ideen seit den 1970er-Jahren. Doch die Herausgeber betonen, dass diese Perspektiven oft versäumen, das Scheitern der Kritiker:innen zu berücksichtigen, eine kohärente Gegenbewegung aufzubauen.

Das Buch zeigt auf, wie sozialdemokratische und linksliberale Parteien neoliberale Reformen häufig als pragmatische Lösungen für Krisen übernahmen. Selbst die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990er-Jahren belebte den radikalen Antikapitalismus nicht neu. Stattdessen verband sie Identitätspolitik mit gemäßigteren keynesianischen Vorschlägen – eine grundsätzliche Systemkritik blieb aus.

Die Autor:innen zeichnen zudem den Niedergang systemischer Kritik nach und weisen darauf hin, dass konsumorientierter Protest bereits während des Nachkriegbooms an Fahrt aufnahm – und nicht erst unter dem Neoliberalismus. Sie warnen davor, die 1960er- und 1970er-Jahre als verlorenes goldenes Zeitalter des Kapitalismus zu verklären. Der Begriff "Neoliberalismus", so nützlich er auch sei, verenge die Kritik oft auf eine einzige Spielart des Kapitalismus und übersehe damit grundlegendere Schwächen linker Strategien.

Für 38 Euro im Hardcover erhältlich, legt die Anthologie nahe, dass die Kritik am Neoliberalismus selbst tiefgreifende Veränderungen widerspiegelt – nämlich darin, wie Gesellschaften wirtschaftlichen Systemen widerstehen. Statt einer geschlossenen Bewegung habe sich der Widerstand in fragmentierte, oft konsumgetriebene Einzelkämpfe zersplittert.

Der Band benennt ein zentrales Paradox: Die linke Kritik am Neoliberalismus ist Teil des Problems geworden, das sie zu lösen versucht. Indem sie sich auf einzelne Politiken konzentriert statt auf systemische Alternativen, gelingt es den Gegner:innen kaum, eine überzeugende Vision zu entwerfen. Die Analyse des Buches macht deutlich, dass es eines grundlegenden Umdenkens bedarf – sowohl darüber, wie Widerstand gegen den Kapitalismus organisiert wird, als auch warum er so häufig scheitert.

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