Warum so wenige Deutsche eine Immobilie besitzen – trotz leichtem Anstieg der Eigentumsquote
Leokadia MansWarum so wenige Deutsche eine Immobilie besitzen – trotz leichtem Anstieg der Eigentumsquote
Wohneigentum in Deutschland bleibt hartnäckig niedrig
In Deutschland besitzen weiterhin weniger als die Hälfte der Haushalte eigenes Wohneigentum. Zwar stieg die Quote leicht von 44,9 % im Jahr 2011 auf 47,4 % im Jahr 2025, doch das Land verzeichnet nach wie vor die niedrigste Eigentümerquote in der EU – weit unter dem EU-Durchschnitt von 68 bis 70 %. Hohe Kosten, strenge Vorschriften und eine ausgeprägte Mietkultur halten viele davon ab, eine Immobilie zu kaufen.
Die finanziellen Hürden beginnen bereits beim Kauf. Neben dem Kaufpreis kommen Maklergebühren, Notarkosten und Grunderwerbsteuern hinzu, die in einigen Bundesländern mittlerweile bis zu 6,5 % betragen können. Diese Zusatzkosten erhöhen die Anfangsinvestition um Tausende Euro und erschweren die Aufnahme eines Hypothekenkredits im Vergleich zu vielen anderen Ländern.
Sobald ein Darlehen bewilligt ist, wächst die langfristige Belastung. Bis eine deutsche Hypothek vollständig abgezahlt ist, zahlen Eigentümer oft das Eineinhalbfache des ursprünglichen Kaufpreises. Steigende Zinsen und strengere Kreditvergaberichtlinien haben die Situation zusätzlich verschärft.
Auch die staatliche Politik setzt Immobilienbesitzer unter Druck. Eine Reform im Jahr 2025 hat die Grundsteuer stark ansteigen lassen, während neue Klimavorschriften Eigentümer zu teuren Sanierungen zwingen. Gleichzeitig betrachten Politiker Immobilien zunehmend als Einnahmequelle. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), schlug kürzlich deutlich höhere Grundsteuern vor, um die soziale Ungleichheit zu bekämpfen.
Der stark subventionierte Mietmarkt bietet für viele eine einfachere Alternative. Angesichts fehlender Anreize zum Kauf und wachsender finanzieller Hindernisse bleibt die Mehrheit der Deutschen Mieter – mit Eigentumsquoten, die deutlich unter denen in Frankreich, den Niederlanden oder Österreich liegen, wo mehr als die Hälfte der Haushalte im eigenen Zuhause lebt.
Die Kluft bei der Wohneigentumsquote in Deutschland zeigt keine Anzeichen einer baldigen Schließung. Zwischen hohen Anfangskosten, steigenden Steuern und klimabedingten Zusatzausgaben bleibt der Immobilienkauf für viele unerreichbar. Ohne grundlegende politische Kursänderungen wird sich der mietdominierte Wohnungsmarkt des Landes voraussichtlich weiter fortsetzen.






