Wie die Bundeswehr 1956 gegen massiven Protest gegründet wurde
Die Gründung der Bundeswehr, der Nachkriegsarmee Westdeutschlands, löste in den 1950er-Jahren heftigen Widerstand aus. Als die Regierung die Wiederbewaffnung und den NATO-Beitritt vorantrieb, brachen Proteste aus. Viele Bürger fürchteten nach den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs eine Rückkehr zum Militarismus.
Die Debatte über die Wiederbewaffnung begann früh. 1951 wurde ein Volksentscheid zu diesem Thema initiiert, doch das Innenministerium verbot ihn umgehend. Die Unterdrückung der Abstimmung fiel mit dem Verbot der kommunistisch geprägten Freien Deutschen Jugend (FDJ) zusammen, einer Jugendorganisation, die die Remilitarisierung kritisierte. Die Spannungen eskalierten 1952, als die Polizei in Essen während einer Demonstration einen jungen FDJ-Anhänger erschoss.
Bis Ende 1955 waren die Pläne für die neue Armee bereits in vollem Gange. Am 12. November überreichte Theodor Blank, der Verantwortliche für die Verteidigungsplanung, den ersten Offizieren und Unteroffizieren ihre Ernennungsurkunden. Die Truppe, zunächst Bundeswehrmacht genannt, erhielt offiziell am 1. April 1956 den Namen Bundeswehr. Bereits im Januar desselben Jahres hatten sich die ersten Freiwilligen in ihren Kasernen gemeldet.
Der Widerstand wuchs, als die Bundeswehr Gestalt annahm. Die Paulskirchenbewegung, eine breite Protestbewegung, mobilisierte gegen das Militär und den NATO-Beitritt. Ihr Deutsches Manifest sammelte 341.000 Unterschriften und warnte vor den Gefahren der Wiederbewaffnung. Demonstranten prägten den Slogan Ohne mich! – "Zählt mich nicht mit!" – als Ablehnung des Wehrdienstes. Trotz des Gegenwinds führte der Bundestag im Juli 1956 die Wehrpflicht ein und verankerte die Bundeswehr damit fest in der westdeutschen Gesellschaft.
Die Bundeswehr entstand in einer tief gespaltenen Öffentlichkeit. Die Proteste konnten ihre Gründung nicht verhindern, doch die Bewegung hinterließ Spuren in der Nachkriegspolitik Deutschlands. Die Aufstellung des Militärs prägte die Verteidigungspolitik des Landes und seine Rolle innerhalb der NATO nachhaltig.






