Wie Misstrauen rechtsextreme Bewegungen wie die AfD stärkt – und was dagegen hilft
Marie-Theres SegebahnWie Misstrauen rechtsextreme Bewegungen wie die AfD stärkt – und was dagegen hilft
Eine neue Analyse des Soziologen Aladin El-Mafaalani wirft Licht darauf, warum das Misstrauen gegenüber Institutionen den Aufstieg rechtsextremer Bewegungen befeuert. Seine Forschung untersucht, wie skeptische Menschen enge Gemeinschaften bilden und ihre Überzeugungen durch digitale Netzwerke verstärken. Diese Erkenntnisse helfen, den wachsenden Einfluss von Parteien wie der deutschen AfD oder Persönlichkeiten wie Donald Trump zu erklären.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, argumentiert, dass misstrauische Menschen zunehmend mit Gleichgesinnten zusammenfinden, die ihre Zweifel teilen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" gedeihen besonders im Internet, wo sich Mitglieder gegenseitig in ihrer Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, Wissenschaft und Medien bestärken. In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" zeigt er auf, wie populistische Strategen gezielt das Vertrauen in etablierte Systeme untergraben.
Die Entwicklung der AfD folgt diesem Muster. 2013 als euroskeptische Partei gegründet, wandelte sie sich im Laufe der Zeit zu einer nationalistischen Kraft am rechten Rand. 2023 wurde ihr Jugendverband, die Junge Alternative, als extremistisch eingestuft und 2025 schließlich verboten. Unter der Führung der Co-Vorsitzenden Alice Weidel verdoppelte die Partei bei der Bundestagswahl 2025 ihren Stimmenanteil und expandierte über ihre ostdeutschen Hochburgen hinaus in westliche Bundesländer wie Baden-Württemberg, wo sie 18,8 Prozent der Stimmen holte. Ihr Erfolg speiste sich aus der Instrumentalisierung wirtschaftlicher Unzufriedenheit und eines tief verwurzelten Misstrauens gegenüber der etablierten Politik.
El-Mafaalani warnt jedoch, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD bei ihren Anhängern kein Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen werden. Stattdessen brauche es wirksamere Strategien, um der Anziehungskraft des Rechtspopulismus entgegenzuwirken. Seine Arbeit zeigt, dass diese Bewegungen nicht trotz des Misstrauens erstarken, sondern gerade wegen ihm.
Das Wachstum der AfD spiegelt einen größeren Trend wider, in dem Misstrauen zur verbindenden Kraft wird. El-Mafaalanis Analyse verdeutlicht, wie solche Bewegungen an Stärke gewinnen, indem sie eine Alternative zu den Institutionen bieten, die ihre Anhänger ohnehin ablehnen. Seine Forschung unterstreicht die Notwendigkeit neuer Ansätze, um der Erosion demokratischen Vertrauens entgegenzusteuern.






