Wie Schloss Neuschwanstein aus einem Königstraum zur Touristenattraktion wurde
Marie-Theres SegebahnWie Schloss Neuschwanstein aus einem Königstraum zur Touristenattraktion wurde
Schloss Neuschwanstein ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands und lockt jährlich über 1,4 Millionen Besucher an. Seine Wurzeln reichen bis zu einem steilen Höhenrücken namens Jugend zurück, wo König Ludwig II. von einer märchenhaften Burg träumte. Doch die Geschichte des Schlosses begann lange vor der Grundsteinlegung im Jahr 1869.
Erstmals auf den Jugend-Rücken aufmerksam wurde in den 1850er-Jahren Ludwigs Vater, Maximilian II. Er ließ Wege und Aussichtspunkte rund um Hohenschwangau anlegen, um die beeindruckende Alpenlandschaft zu präsentieren. Bereits 1855 plante er sogar einen Aussichtspavillon auf dem Rücken selbst. Ein Jahrzehnt zuvor war die Marienbrücke – eine elegante Eisenbrücke – als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Marie errichtet worden.
Ludwig II. erbte die Liebe seines Vaters zur Landschaft, doch er hatte Größeres im Sinn. Er wählte denselben Höhenrücken für sein Neues Schloss Hohenschwangau, das später nach seinem Tod in Neuschwanstein umbenannt wurde. Am 5. September 1869 begann der Bau; als erstes wurde das Torhaus fertiggestellt. Doch Ludwig sollte das vollendete Schloss nie erleben. Der Bergfried und der quadratische Turm wurden erst 1892 vollendet – sechs Jahre nach seinem Tod. Das gleiche Bauunternehmen, das Neuschwanstein errichtete, war auch an anderen großen Projekten beteiligt: 1892 vollendete es die neugotische Restaurierung der Schlosskirche in Wittenberg und bewies damit seine Expertise über Bayern hinaus.
Heute steht Neuschwanstein als Symbol für Ludwigs II. visionären Ehrgeiz und das Handwerk des 19. Jahrhunderts. Die Marienbrücke spannt sich noch immer über die Schlucht, während sich die Türme des Schlosses über die Landschaft erheben, die der König so sehr liebte. Seine anhaltende Beliebtheit beweist, wie die Träume eines Monarchen noch immer Millionen in ihren Bann ziehen.
