ZVEI plant flexibleres Stromnetz bis 2027 mit Steuerungssystemen und digitalem Produktpass
Tilo RohtZVEI plant flexibleres Stromnetz bis 2027 mit Steuerungssystemen und digitalem Produktpass
Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hat zwei zentrale Maßnahmen vorgestellt, um die Flexibilität und Transparenz des deutschen Stromnetzes zu verbessern. Im Fokus stehen der beschleunigte Ausbau von Steuerungssystemen sowie die Einführung eines neuen Datenrahmens. Ziel ist es, bis 2027 ein widerstandsfähigeres und effizienteres Energienetz zu schaffen.
Der ZVEI betonte, dass die zügige Implementierung von Netzteuerungssystemen in den Verteilnetzen entscheidend sei. Zwar existieren die technologischen Grundlagen bereits, doch Tempo, Standardisierung und eine konsequente Umsetzung werden über den Erfolg entscheiden. Die Organisation rechnet ab 2026 mit einem deutlichen Schub bei der Einführung und strebt bis 2027 eine flächendeckende Umsetzung an.
Mehrere deutsche Netzbetreiber, darunter Westnetz und Netze BW, haben in Pilotprojekten bereits Steuerungssysteme für Niederspannungsnetze getestet. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen – etwa die Integration neuer Technologien in veraltete Infrastruktur, die Verarbeitung von Echtzeitdaten, die Gewährleistung der Cybersicherheit sowie die Festlegung einheitlicher Kommunikationsstandards. Der ZVEI wies darauf hin, dass isolierte Testläufe nicht ausreichen: Für ein wirklich flexibles System seien eine breite Einführung, klare Schnittstellen und eine starke regulatorische Unterstützung notwendig.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Digitalen Produktpass 4.0 (DPP4.0), der als zuverlässiger Datenrahmen den gesamten Lebenszyklus eines Produkts abbilden soll. Dies würde die Transparenz und Qualität im Netzbetrieb deutlich erhöhen. Damit der DPP4.0 funktioniert, müssen sich Hersteller und Anwender zu seiner Nutzung verpflichten, während gleichzeitig ein unabhängiges Datenökosystem aufgebaut wird. Der Pass soll zudem als zentrale Datenquelle innerhalb eines sicheren, interoperablen digitalen Raums dienen.
Der ZVEI forderte zudem strengere technische Standards, die Schließung von Integrationslücken sowie die Skalierung erfolgreicher Pilotprojekte. Diese Schritte seien essenziell, um echte Flexibilitätsgewinne in Niederspannungsnetzen zu erzielen.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, das Stromnetz effizienter und anpassungsfähiger zu gestalten. Der beschleunigte Ausbau der Steuerungssysteme und die Einführung des DPP4.0-Rahmens hängen dabei von der Zusammenarbeit der Branche, klaren regulatorischen Vorgaben und einheitlichen technischen Standards ab. Nun geht es darum, diese Pläne bis zum Stichtag 2027 in die Tat umzusetzen.
