Deutsche Firmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität trotz hoher Priorität
Tilo RohtDeutsche Firmen scheitern an der Umsetzung digitaler Souveränität trotz hoher Priorität
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Unternehmen betrachten digitale Souveränität als entscheidend, tun sich aber schwer damit, konkrete Maßnahmen umzusetzen. Der "Digitale Souveränitätsindex" (DSI), entwickelt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, weist einen durchschnittlichen Reifegrad von 65,8 Prozent in der gesamten Wirtschaft aus. Zwar erkennen die meisten Unternehmen die Bedeutung des Themas an, doch nur wenige verfügen über klare Strategien zur Umsetzung.
Der DSI bewertet digitale Souveränität in sechs zentralen Bereichen: Hardware, Software, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, Cloud-Computing und Datenmanagement. Die Studie ergab, dass 92 Prozent der Unternehmen Souveränität für wichtig halten – doch lediglich 21 Prozent verfolgen einen gezielten Ansatz, um sie zu erreichen. Noch weniger, nur 13 Prozent, verankern das Thema in ihrer übergeordneten Unternehmensstrategie.
Eine Verantwortung auf Vorstandsebene bleibt die Ausnahme: Nur 25 Prozent der Unternehmen übertragen die Aufsicht ihren Führungsteams. Viele sind weiterhin stark von ausländischen Anbietern abhängig, insbesondere bei Cloud-Diensten, Software und KI. Tatsächlich geben 60 Prozent zu, für kritische Technologien auf nicht-europäische Lösungen zu setzen.
Trotz dieser Lücken zeigt sich Investitionsbereitschaft: Rund 80 Prozent der Unternehmen wären bereit, für souveräne Alternativen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt 17 Prozent mehr. Ihr angestrebter Souveränitätsgrad liegt bei 77,8 Prozent, wobei vollständige Autarkie nicht das Ziel ist.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass Unternehmen die strategischen Risiken unterschätzen. Er betonte, dass eine größere Unabhängigkeit in der digitalen Infrastruktur vor Störungen und externen Abhängigkeiten schützen könne.
Die Ergebnisse offenbaren eine deutliche Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung: Zwar streben deutsche Unternehmen eine höhere Souveränität an, doch die aktuellen Bemühungen bleiben in Strategie und Führung hinter den Ansprüchen zurück. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ohne stärkere Verpflichtungen die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern bestehen bleiben wird.






