Eltern und Erzieher protestieren gegen KiBiz-Reform in NRW: "Wir sind sprachlos"
Annerose KensyEltern und Erzieher protestieren gegen KiBiz-Reform in NRW: "Wir sind sprachlos"
Rund 50 Eltern, Erzieherinnen und Kinder haben diese Woche vor dem St.-Josef-Kindergarten Saalhausen in Lennestadt protestiert. Unter dem Motto "Wir sind sprachlos" wandten sie sich gegen die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in Nordrhein-Westfalen. Die Organisatoren warnten, die Neuerungen könnten den Personalmangel verschärfen und die Betreuungsqualität weiter verschlechtern.
Die Kundgebung wurde vom Trägerverbund WIR-KITAs angeführt, unterstützt von lokalen Familien und Mitarbeitenden. Vanessa Frankenthal, Leiterin des Kindergartens, erklärte, dass die Bedürfnisse der Kinder bereits jetzt wegen Unterbesetzung nicht ausreichend erfüllt würden. Hohe Energiekosten und Personalmangel hätten die Ressourcen zudem stark belastet.
Die Landesregierung hat zwar zugesagt, ab August zusätzliche 200 Millionen Euro für die Kita-Finanzierung bereitzustellen. Kritiker halten das jedoch für unzureichend, um die strukturellen Probleme zu lösen. Ein neues "Kern- und Randzeiten"-Modell, falls beschlossen, würde die Öffnungszeiten umgestalten – Gegner befürchten aber weniger Flexibilität und schlechteren Zugang.
Der Protest ist Teil monatelanger Unruhen: Bereits im Januar 2024 hatten Kita-Beschäftigte vor dem Landtag in Düsseldorf demonstriert. Im März 2026 folgte ein Warnstreik der Gewerkschaft Verdi, an dem 2.500 AWO-Mitarbeiter aus 840 Kitas und 519 Ganztagsschulen teilnahmen. Kundgebungen gab es in Köln, Bochum und Herford.
Weitere Demonstrationen sind in den kommenden Wochen in der gesamten Region geplant. Sollten die Reformen verabschiedet werden, treten sie im nächsten Jahr in Kraft.
Ziel der KiBiz-Änderungen ist es, Finanzierungslücken zu schließen. Doch die Einrichtungen kritisieren, das aktuelle System halte mit der Inflation nicht Schritt. Angesichts steigender Energiekosten und Personalengpässen fürchten die Träger, die Reformen würden die Lage weiter verschärfen. Die Landesregierung betont, die zusätzlichen 200 Millionen Euro würden helfen – die Protestierenden fordern jedoch eine grundlegende Überarbeitung der Politik.






