Hamburger Staatsoper begeistert mit radikaler Neuinszenierung von Schumanns Paradies und Peri
Tilo RohtHamburger Staatsoper begeistert mit radikaler Neuinszenierung von Schumanns Paradies und Peri
Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri
Die Hamburger Staatsoper hat mit einer kühnen Neuinterpretation von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri – inspiriert von einer orientalischen Erzählung – für Furore gesorgt. Unter der Regie des neuen Intendanten des Hauses, Tobias Kratzer, erntete die Premiere begeisterten Applaus. Der Abend markierte zugleich das Debüt von Omer Meir Wellber als Generalmusikdirektor, der das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit einer von Energie und Tiefe geprägten Darstellung dirigierte.
Das Oratorium erzählt die Geschichte der Peri, eines engelhaften Wesens auf der Suche nach einem Geschenk, das des Paradieses würdig ist. Kratzer und der Bühnenbildner Rainer Sellmaier inszenierten das Werk des 19. Jahrhunderts mit auffälligen zeitgenössischen Elementen. In einem denkwürdigen Moment kletterte die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, über die Zuschauerreihen und setzte sich neben einen weinenden Gast – eine Geste, die Mitgefühl symbolisieren sollte.
Im dritten Akt nahm die Inszenierung eine radikale Wende, indem sie die Klimakrise thematisierte. Kinder spielten unter einer von Plastikmüll verschmutzten Kuppel – eine direkte Verbindung zwischen Schumanns romantischer Erzählung und modernen Umweltfragen. Die Solisten Eliza Boom, Kai Kluge und Christoph Pohl überzeugten mit herausragenden Leistungen, während das Orchester für seine dynamische Interpretation besondere Anerkennung erhielt.
Diese Premiere steht für einen grundlegenden Wandel unter Kratzers Führung. Der neue Intendant hat versprochen, die Oper für die breitere Hamburger Gesellschaft zugänglicher zu machen. Das Programm der Spielzeit umfasst innovative Projekte wie Monsters Paradise, eine Zusammenarbeit der Komponistin Olga Neuwirth mit der Schriftstellerin Elfriede Jelinek – ein klares Signal für eine neue Ausrichtung des Hauses.
Die Inszenierung von Das Paradies und die Peri leitet eine neue Ära für die Hamburger Staatsoper ein. Mit Kratzers visionärem Ansatz und Wellbers musikalischer Leitung verbindet das Haus Tradition mit drängenden zeitgenössischen Themen. Künftige Aufführungen werden zeigen, ob dieser Weg sowohl bei langjährigen Förderern als auch bei neuem Publikum Anklang findet.






