New York feiert Robert Rauschenbergs revolutionäres Erbe zum 100. Geburtstag
Marie-Theres SegebahnNew York feiert Robert Rauschenbergs revolutionäres Erbe zum 100. Geburtstag
New York feiert den 100. Geburtstag von Robert Rauschenberg, einem der bahnbrechendsten Künstler seiner Zeit. Die Stadt, einst ein raues Industriezentrum, wurde zur perfekten Kulisse für seine kühnen Experimente. Mit Ausstellungen, Performances und einer Welle der Nostalgie wird nun die Ära gewürdigt, in der Rauschenberg und seine Mitstreiter verlassene Lagerhallen in kreative Räume verwandelten.
Das Jubiläum hat das Interesse an seinem Werk neu entfacht – von monumentalen Collagen bis zu radikalen Bühnenentwürfen. Kritiker wie Jerry Saltz nannten ihn einen "dionysischen Rebellen der Experimentierfreude" – einen Künstler, der im Chaos und in der Energie des New York der Jahrhundertmitte aufblühte.
Rauschenbergs tiefe Verbindung zu New York steht im Mittelpunkt der Ausstellung Rauschenbergs New York im Museum of the City of New York. Die Schau zeigt seine Fotografie, die er als Rohmaterial für größere Werke nutzte. Seine Schnappschüsse der Stadt – Straßen, Gebäude, weggeworfene Gegenstände – fanden später in Siebdrucken und Collagen Verwendung, vermischt mit Zeitungsausschnitten und Skizzen.
Auch das Guggenheim-Museum präsentiert Barge, eine gewaltige Collage aus dem Jahr 1963, die sich einer einzigen Perspektive entzieht. Ihre geschichteten Bilder und Texturen spiegeln die ständige Bewegung der Stadt wider – ganz wie Rauschenbergs eigener künstlerischer Ansatz.
Seine Zusammenarbeit mit Tänzern und Musikern prägte eine weitere Facette seines Schaffens. Für die Auftritte von Merce Cunningham schuf er sein erstes Combine – eine Hybridform aus Malerei und Skulptur mit gefundenen Materialien. Später entwarf er Bühnenbilder und Kostüme für Dancing with Bob, eine Hommage der Trisha Brown Dance Company. Typisch für ihn, veränderte er die Bühne oft täglich und fügte Gegenstände hinzu, die er auf der Straße aufgelesen hatte. Die Produktion, an der auch John Cage und Cunningham mitwirkten, fängt den Geist der avantgardistischen Blütezeit New Yorks ein.
Der Wandel der Stadt von der Industrie zur Finanzmetropole schuf ein Spielfeld für Künstler wie Rauschenberg. Günstige, leere Räume am Wasser wurden zu Ateliers, in denen Regeln gebrochen und neue Formen erfunden wurden. Ohne dieses Umfeld, so Kritiker, wäre sein grenzenlos experimentelles Werk vielleicht nie entstanden.
Die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag bestätigen Rauschenbergs anhaltenden Einfluss auf Kunst und Performance. Seine Fotografie, Collagen und Bühnenentwürfe bleiben eng mit einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort verbunden – New York in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die aktuellen Ausstellungen und Aufführungen bieten einen Einblick in eine Ära, in der die rohe Energie der Stadt einige der kühnsten kreativen Impulse der modernen Kunst befeuerte.






