22 March 2026, 10:34

Rheinisches Revier wird zur Seenlandschaft – doch die Flutung birgt massive Risiken

Malerei des Rheins in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, mit Booten, einer Brücke, Menschen, Bäumen, Gebäuden, Hügeln und einem Himmel im Hintergrund, mit der Beschriftung "Rhein, Nordrhein-Westfalen, Deutschland" unten.

Rheinisches Revier wird zur Seenlandschaft – doch die Flutung birgt massive Risiken

Ein gigantisches Flutungsprojekt soll drei ehemalige Braunkohletagebaue im rheinischen Revier zu künstlichen Seen umwandeln. Ab 2030 werden die Gruben Hambach, Garzweiler und Inden mit Rheinwasser geflutet – transportiert durch eine neu gebaute 45 Kilometer lange Pipeline. Kritiker jedoch äußern Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität, der langfristigen Kosten und der ökologischen Folgen des Vorhabens.

Offiziell gestartet ist das Projekt mit einem symbolischen Spatenstich in Elsdorf, unweit des Tagebaus Hambach. Eine aus 10.000 Abschnitten bestehende Leitung – jeder bis zu 2,2 Meter breit – soll in den kommenden zehn Jahren Rheinwasser in die Gruben leiten. Den Anfang macht Hambach im Jahr 2030, gefolgt von Inden noch im selben Jahr und Garzweiler 2036.

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Der Energiekonzern RWE, der das Projekt federführend umsetzt, verfügt bereits über die notwendigen Genehmigungen für Wasserentnahme und Pipelinebau. Noch ausstehend ist jedoch die Erlaubnis, Wasser in die Grube Hambach einzuleiten. Bis März 2026 wurden drei Genehmigungen für die Einleitung von Rur-Wasser in den Tagebau Inden erteilt; zwei weitere sind nötig, um den Zeitplan für 2030 einzuhalten.

Ziel des Plans ist es, aus den ehemaligen Abbaugebieten Tourismus- und Freizeitzentren zu schaffen, die neue Lebensräume und Arbeitsplätze bieten. Doch Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" bleiben skeptisch. Sie warnen, das Rheinwasser enthalte bis zu 30.000 chemische Verbindungen mit unbekannten Auswirkungen – und der Grundwasserspiegel könnte sich erst bis zum Jahr 2200 stabilisieren.

Der lokale Aktivist Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative "Bürger für Bürger" kritisiert RWEs Vorgehen als "Top-down-Ansatz", der es dem Konzern ermöglichen könnte, sich später aus dem Projekt zurückzuziehen. Gleichzeitig verschärft der jüngste Bau eines Hyperscale-Rechenzentrums von Microsoft in der Region die Sorgen um Wasserknappheit und verkompliziert die Debatte weiter.

Die Flutung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden wird die Landschaft der Region in den nächsten zwei Jahrzehnten grundlegend verändern. Während das Projekt wirtschaftliche und ökologische Vorteile verspricht, bleiben Fragen zur Wassersicherheit, zu langfristigen Umweltrisiken und zur finanziellen Belastung der Kommunen offen. Die erste Flutungsphase soll 2030 beginnen – vorausgesetzt, alle erforderlichen Genehmigungen liegen bis dahin vor.

Quelle